4. Tiroler Erwachsenenbildungsenquete im Landhaus im Zeichen der Untersuchung „MAP EB Tirol“ – Studie erhebt Status Quo der Erwachsenenbildung in Tirol

Tiroler Erwachsenenbildung unter dem Röntgenapparat

„Sie leisten Pionierarbeit, denn das, was hier in Tirol gerade stattfindet hat es noch in keinem anderen Bundesland gegeben“, stellte die renommierte Erwachsenenbildungsforscherin, Univ.-Prof. Dr. Elke Gruber im Rahmen ihres Berichts zu den ersten Ergebnissen der Forschungsprojekts MAP EB Tirol fest. Schon einmal habe ein Bundesland, nämlich die Steiermark eine Zusammenschau über die Erwachsenenbildungslandschaft veranlasst, aber eine derart tiefgehende Studie über die Angebotslage, die nach verschiedenen Inhalten gegliedert ist und die das ganze Land bis hin zu den Bezirken und Ortschaften durchleuchtet, habe es bisher noch nirgends gegeben. „Die Erwachsenenbildung ist weit vor Schulen oder Universitäten der größte Bildungsanbieter in Österreich“, stellte Gruber die Bedeutung von MAP EB Tirol fest.

Die Studie des Landes Tirols, der Tiroler Arbeiterkammer und des Bundesministeriums für Bildung und Frauen erhebt den Status-Quo der Erwachsenenbildung in Tirol. Sie ist die erste, die ausdrücklich in Bezug zur LLL-Strategie des Bundes steht. „Die dynamischen Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft stellen eine große Herausforderung für das gesamte Bildungssystem dar. Ziel der Studie ist es, Perspektiven zur Weiterentwicklung der Erwachsenenbildung zu entwerfen und mögliche Lücken im Angebot zu schließen“, erklärt Bildungslandesrätin Beate Palfrader. Das Land Tirol finanziert die Erhebung mit 30.000 Euro.

So untersucht das Forscherinnenteam um Univ.-Prof. Gruber, wo in Tirol beispielsweise Erwachsenenbildungsangebote zur Grundbildung und zum 2. Bildungsweg, zu den Themenblöcken Gesellschaft/Politik/Wissenschaft, Wirtschaft/Dienstleistungen, Kunst/Kreativität, Persönlichkeit/Kommunikation, Gesundheit/Wellness/Sport, Sprachen sowie EDV bestehen und wo der Zugang zur Weiterbildung derzeit nur schwer möglich ist. Zu allen diesen Themen werden eigene Tiroler „Bildungslandkarten“erstellt. Bei der Enquete gewährte Studienleiterin Elke Gruber erste Einblicke in die Erhebung. Bisher wurden beispielsweise in Tirol über 300 Erwachsenenbildungsanbieter identifiziert.

Im Rahmen der Enquete brachten die teilnehmenden ExpertInnen, PädagogInnen sowie MitarbeiterInnen der Erwachsenenbildung und des öffentlichen Bibliothekswesen ihre Erfahrungen und Beobachtungen in die Studie ein. „In den verschiedenen Arbeitsgruppen wurde festgestellt, dass das Bildungsniveau der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden in der Tiroler Erwachsenenbildung generell sehr hoch ist und somit gute Voraussetzungen für eine Weiterentwicklung der Bildungslandschaft bestehen. Gleichzeitig wurde mehrfach die Anregung nach mehr Koordination geäußert, und zwar auf Landes- wie auch auf lokaler Ebene“, fasst der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Tiroler Erwachsenenbildungseinrichtungen, Ronald Zecha, zusammen. Dazu gehören die Schaffung klarer, trägerunabhängiger Strukturen, stärkere Vernetzung, bessere Koordination der öffentlichen Mittel und generell eine stärkere inhaltliche denn wirtschaftliche Steuerung der Erwachsenenbildung, wie sie in einzelnen Bereichen wie beispielsweise dem 2. Bildungsweg oder der Grundbildung schon erfolgt.

Höhere Berufschancen durch bessere Qualifizierung
Arbeitslandesrat Johannes Tratter sieht in den ersten Ergebnissen der Enquete praxisgerechte Impulse. Die angestiegene Arbeitslosenquote zeige, wie wichtig bedarfsgerechte Qualifizierung sowie kontinuierliche Weiterbildung seien: „Schlechter ausgebildete Beschäftigte sind stets gefährdet, ihre Arbeit zu verlieren. Nach einem Jobverlust haben diese Menschen zudem geringere Chancen auf einen schnellen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt.“ Das Land Tirol fördert daher gemeinsam mit dem AMS, der amg-tirol, den Sozialpartnern sowie weiteren Systempartnern Bildungsmaßnahmen und Projekte, die hier greifen und ist an Maßnahmen, die zu einer Stärkung der Chancen in den Regionen führen, sehr interessiert.

Rund 4,75 Millionen Euro für Erwachsenenbildung
Das Land Tirol investierte im Jahr 2013 rund 4,75 Millionen Euro in die allgemeine und berufliche Erwachsenenbildung. Mit den Geldern wurden neben den öffentlichen Büchereien, Weiterbildungseinrichtungen und Maßnahmen wie Arbeitsstiftungen auch Projekte für den zweiten Arbeitsmarkt, Angebote im Bereich der Bildungs- und Berufsberatung sowie Individualförderungen wie Ausbildungsbeihilfen oder das Bildungsgeld Update finanziert.
Die Endergebnisse der Studie MAP EB Tirol sollen im Herbst vorliegen.
 

Bild: Dr. Elke Gruber, Dr. Beate Palfrader, Mag. Ronald Zecha (Quelle: Land Tirol)

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