1.TIROLER ERWACHSENENBILDUNGSENQUETE am 5. November 2010, 14:00 bis 18:00 Uhr im Tiroler Landhaus

Zusammenfassung des Vortrages von DDr. Clemens Sedmak „BILDUNG: WARUM?“ Bildung hat wesentlich damit zu tun, die Grenzen im Leben zu erkennen und einhalten zu lernen, damit umgehen zu können. Leben geht immer nur in eine Richtung, baut auf. Wir müssen mit dem „Gepäck“, das wir im Laufe des Lebens ansammeln, umgehen können. Leben heißt, zu lernen, sich zu arrangieren, gut mit Grenzen und den Anderen umgehen können; Pluralitätsfähigkeit/denken - mit verschiedenen Menschen umgehen zu können. Bildung bereitet mich auf Pluralitätsfähigkeit vor, auch auf Empathie und auch, sich selber wichtig zu sein. I. Bildung: WOFÜR? 1) Zum Beantworten offener Fragen 2) Gegen das Böse In My Lai in Vietnam richteten amerikanische Soldaten ein Blutbad an; Faktoren, die dazu führten, waren diffuse Verantwortung, keine moralischen Bezugspunkte, Moralerwartungen, Gruppendruck, Entmenschlichung und Abwertung des Gegenübers. Das Stanford Prison Experiment (Studierende wurden in zwei Gruppe – gefangene und Wärter – aufgeteilt) musste abgebrochen werden: Der Leiter des Experiments veränderte sich während des Experiments selbst und verrohte. Die Rolle „verselbständigte sich“. Sein hoher Bildungsgrad ermöglichte ihm aber, dies zu erkennen und das Experiment zu stoppen. Schlussfolgerung: Bildung ist keine Garantie gegen das Böse, aber das besten Mittel, das es derzeit gibt. 3) Vorbereitung auf das Neue: Havel überdauerte 4 Jahre Gefängnis durch Planung, Gymnastik. Er hat in dieser Zeit 2 Stücke geschrieben, Deutsch und Englisch gelernt, Kollegen beobachtet. Bildung hilft, die Orientierung nicht zu verlieren und mit Neuem, Fremdem, Unvorbereitetem umzugehen II. Bildung: WIE? 1) Wahrnehmung Bildung erfolgt durch Wahrnehmung mit geschärften Sinnen, durch wache Aufmerksamkeit. Bildung hat mit bewusstem zu hören Können zu tun (im Englischen durch Listening ausgedrückt im Gegensatz zu Hearing). Bildung erfolgt im Dialog, auch das Unterrichten hat mit Zuhören können zu tun. 2) Lesen Lesen eröffnet eine neue Welt. Lesen weckt den Möglichkeitssinn in uns. Gebildete finden leichter und mehr Alternativen in schwierigen Situationen – die Suizidgefahr ist bei gebildeten geringer. Lesen verzaubert (ohne alles verstehen zu müssen). Lesen verführt uns in eine andere Welt. Lesen gibt den Menschen Gesprächspartner, die ihnen niemand wegnehmen kann. Ein gutes Buch, ist wie ein Freund, der einen begleiten kann. 3) Denken Denken benötigt wenig Hilfsmittel. Fragfähigkeit, hartnäckig bei etwas zu bleiben. Bildung ist die Fähigkeit, etwas von einem anderen Standpunkt aus sehen zu können. Sokrates verwendete die Bilder einer Stechmücke, die um die Antworten kreist oder einer Hebamme, die etwas durch Fragen herausbringe oder mit einem Zitterrochen, der sein Opfer lähmt und nicht mehr los lässt. III) Bildung WORAUF HIN: - Ein gebildeter Mensch hat Orientierung, hat einen Bezugsrahmen. - Der gebildete Mensch richtet sein geistiges Haus ein und kann es immer noch schöner dekorieren. - Bildung hat mit Ausdrücken zu tun, wenn man eine Sprache gefunden hat. Man kann dadurch seine Probleme und Gefühle definieren, kann so besser mit ihnen umgehen. Bildung verleiht Lebenstiefe. - Bildung vermittelt mir Lebenstiefe, die es mir wiederum ermöglicht, Beziehungen - mit Licht und Schatten - einzugehen. - Bildung hilft, zwischen Lebensstatus, Lebensqualität und Lebenstiefe zu unterscheiden. Wenn jemand acht Wohnsitze hat, dann hat er einen hohen Lebensstatus, aber vielleicht kaum Lebensqualität, wenn er sich um alle seine Wohnsitze kümmern muss. Hätte er nur zwei Wohnsitze an besonders schönen Orten, wäre die Lebensqualität vielleicht viel größer. Lebenstiefe hat beispielsweise eine Frau, die sich um ihren kranken Mann kümmert – diese geht zwar oft auf Kosten der Lebensqualität, ist aber meist befriedigender. Die Lebensqualität sinkt zugunsten der Lebenstiefe. Es entsteht die Bereitschaft, Opfer zu bringen, auch unter schweren Umständen an Zielen festzuhalten. IV) Bildung WOMIT: - Der Lehrer ist zuerst ein Zuhörer, dann ein Bote und zuletzt ein Beispiel. Er verkündet nicht sich selbst. - Wichtig: Ausgewogenheit, Regelmäßigkeit, spezielle, individuelle Art und Weise.

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